Willkommen
Zum zehnten Mal findet in den Spätsommertagen des Jahres 2026 das Internationale Violinfestival in der Residenzstadt Oettingen in Bayern statt. Während eines einwöchigen Meisterkurses bietet sich für Musikstudenten*innen, junge Berufsmusiker*innen und jugendliche begabte Schüler*innen eine einmalige Gelegenheit, bei international renommierten Violin-, Cello- und Kammermusikdozenten*innen wichtige Impulse und neue Ideen für ihre musikalisch-künstlerische Entwicklung zu erlangen. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer erhält hochqualifizierte Unterrichtsstunden bei der Dozentin oder dem Dozenten seiner Wahl (nach Möglichkeit).
Alle Dozenten*innen unterrichten auch Kammermusik. Bestehende Ensembles sind willkommen.
Der stilvolle Rahmen des Oettinger Residenzschlosses rückt zudem das Konzerterlebnis in den Mittelpunkt. Einerseits treten in Dozentenkonzerten renommierte Künstler aus aller Welt auf, andererseits erhalten die Kursteilnehmer die Gelegenheit, in den feierlichen Schlusskonzerten die einstudierten Werke zur Aufführung zu bringen und dadurch Auftrittspraxis zu sammeln.
Interview mit der Künstlerischen Leitung

Eine Woche, die junge Musiker verändern kann
Die künstlerische Leiterin Annika Körner über internationale Talente, neue musikalische Perspektiven und besondere Momente beim Festival
Vom 31. August bis 6. September 2026 wird Oettingen zum zehnten Mal zum internationalen Treffpunkt junger Musikerinnen und Musiker. Teilnehmer aus verschiedenen Ländern treffen in Oettingen auf renommierte Dozenten, arbeiten intensiv an ihrem Repertoire und stehen am Ende selbst auf der Bühne. Was kann eine solche Woche bewirken? Und was macht einen guten Musiker eigentlich zu einem großen Künstler? Darüber spricht Annika Körner, die künstlerische Leiterin des Festivals.
Frau Körner, was macht das Internationale Violinfestival Oettingen für Zuhörer besonders?
Es ist die Verbindung aus hochklassiger Musik, international renommierten Künstlern und einem ganz besonderen Ort. Die Konzerte im Festsaal des Residenzschlosses sind natürlich schon für sich ein Erlebnis. Gleichzeitig erlebt das Publikum nicht nur etablierte Künstler, sondern kann auch junge Musikerinnen und Musiker an einem wichtigen Punkt ihrer Entwicklung kennenlernen.
Verändert ein so besonderer Raum wie der Festsaal auch die Art, wie Musiker spielen?
Ja, ich glaube schon. Wenn man in einem solchen Saal spielt, möchte man ihm gerecht werden. Man hört vielleicht genauer hin, gibt sich noch etwas mehr Mühe und nimmt den Raum bewusster wahr. Der Saal ist eben nicht nur Kulisse – er wird Teil des Konzerterlebnisses.
Was kann in einer einzigen Woche passieren, das ein ganzes Musikstudium verändert?
Manchmal braucht es nur einen neuen Blickwinkel. Wenn man jahrelang bei einem Lehrer gelernt hat und plötzlich jemand ganz anders an ein Stück herangeht, kann sich etwas öffnen. Vielleicht versteht man plötzlich, warum etwas bisher nicht funktioniert hat – oder entdeckt im selben Stück eine völlig neue Seite. Genau diese neuen Zugänge wollen wir ermöglichen.
Was ist das Besondere an den Dozenten in diesem Jahr?
Sie bringen sehr unterschiedliche musikalische Erfahrungen und Perspektiven mit. Winfried Rademacher ist seit 2006 Dozent an der Razumovsky Academy in London. Jan Ickert ist Professor für Violoncello in Frankfurt und gibt international Meisterkurse, unter anderem in China, Thailand und Spanien. Julia Galic wiederum ist Professorin für Violine an der Hochschule für Musik und Theater München. Diese unterschiedlichen Erfahrungen und Herangehensweisen sind für die Teilnehmer unglaublich wertvoll.
Die Teilnehmer kommen in diesem Jahr aus vielen Teilen der Welt. Was bedeutet diese Internationalität für das Festival?
Sehr viel. Wenn junge Musiker unter anderem aus Deutschland, der Schweiz, Italien, Spanien, Südkorea, Thailand und China eine Woche gemeinsam in einer kleinen Stadt verbringen, entstehen Begegnungen, die weit über den Unterricht hinausgehen. Jeder bringt seine eigene musikalische Prägung mit. Oettingen ist dafür eigentlich ein idealer Ort: klein, persönlich und mit viel Ruhe für die Musik.
Was unterscheidet einen guten Musiker von einem wirklich großen Künstler?
Nicht nur die technische Perfektion. Ein großer Künstler kann auf der Bühne etwas erzählen und auch mit unerwarteten Situationen umgehen. Ein Fehler gehört zum Musizieren dazu. Entscheidend ist, ob man danach souverän bleibt und die Musik weiterträgt.
Was passiert hinter den Kulissen eines Meisterkurses, das das Publikum bei einem Konzert niemals zu sehen bekommt?
Unglaublich viel Arbeit. Von außen sieht man am Ende vielleicht vier Minuten Musik – dahinter können Monate oder sogar Jahre der Vorbereitung stecken. Im Kurs wird an kleinsten Details gearbeitet. Manchmal werden zwei Töne immer wieder gespielt, bis sie wirklich stimmen. Und genauso wichtig ist die mentale Arbeit: Nervosität aushalten, mit Aufregung umgehen und lernen, auch unter Druck auf der Bühne präsent zu bleiben.
Was sagen Sie einem jungen Musiker, der technisch alles richtig macht, Sie aber emotional nicht erreicht?
Ich würde zuerst eine Gegenfrage stellen: „Was möchtest du mit diesem Stück erzählen?“ Technik ist ein Werkzeug. Am Ende muss der Musiker wissen, was er sagen möchte. Wenn diese Idee nicht da ist, kann selbst das technisch perfekteste Spiel leer wirken.
Was wünschen Sie sich für das Publikum?
Dass es nicht einfach nur ein Konzert hört, sondern junge Künstler in einem wichtigen Moment ihrer Entwicklung erlebt. Vielleicht entdeckt man dabei jemanden, von dem man in einigen Jahren wieder hören wird. Und vielleicht geht man nach Hause und hört ein bekanntes Stück plötzlich ein bisschen anders.